15 Mai 2026
4 Minuten
Wer zum ersten Mal vor dem spektakulären Bau der Fondation Louis Vuitton steht, kommt aus dem Staunen nicht heraus. Das Museum für moderne Kunst bietet aber noch viel mehr.
15 Mai 2026
4 Minuten
Zwischen dem Eiffelturm und dem Geschäftsviertel La Défense erstreckt sich Neuilly-sur-Seine, das ehemalige Jagdgebiet einstiger französischer Könige. Heute schnappen hier die Pariser frische Waldluft, spielen Boule unter alten Bäumen, gehen spazieren oder fahren Rad. Der Bois de Boulogne ist mit knapp 8,5 Quadratkilometern einer der größten Stadtparks weltweit. Doch viele Menschen lockt es auch wegen einer anderen Pariser Sehenswürdigkeit an den Westrand der Stadt. Zwischen dem Grün der Wälder erhebt sich eine mehr als 40 Meter hohe gläserne Konstruktion, deren Fassade ein wenig an eine auslaufende Yacht mit aufgeblähten Segeln erinnert: das Louis-Vuitton-Museum Paris (Fondation Louis Vuitton). Allein das Gebäude ist Grund genug, sich auf den Weg in den Bois de Boulogne zu machen. Im Museum dreht sich alles um moderne und zeitgenössische Kunst. In spannenden Wechselausstellungen erwarten Sie hochkarätige Retrospektiven und Überblicksschauen bedeutender Künstler der Gegenwartskunst. Besuchen Sie mit uns gemeinsam dieses außergewöhnliche Pariser Museum.
Viele bezeichnen den spektakulären Museumsbau im größten Pariser Stadtwald auch als „Glaswolke“ oder „Eisberg“. Entworfen wurde er vom kanadischen Stararchitekten Frank Gehry (1929–2025), der für seinen spielerischen Umgang mit architektonischen Elementen, Formen und Strukturen weltbekannt ist. Vielleicht kennen Sie das Guggenheim-Museum in Bilbao oder Sie haben schon einmal den Neuen Zollhof im Düsseldorfer Medienhafen besucht.
Die Idee für das Museum im Park hatte der französische Kunstsammler und Vorsitzende des Luxuskonzerns LVMH Moët Hennessy Louis Vuitton, Bernard Arnault. Er weihte Gehry in sein Vorhaben ein, im Bois de Boulogne, genauer gesagt im Jardin d’Acclimatation, einen Ausstellungsort zu schaffen, um seine Leidenschaft für Kunst mit den Parisern und der ganzen Welt zu teilen. Der große Wunsch war es, moderne, zeitgenössische Kunst zu fördern und für alle zugänglich zu machen. Nach achtjähriger Bauzeit zog im Jahr 2014 die Fondation Louis Vuitton endlich ein und schenkte Paris ein neues Kunstzentrum.
„Ich träumte davon, ein grandioses Schiff zu bauen, das Frankreichs reiche Kultur symbolisiert.“ (Frank Gehry)
Schon aus der Ferne erweckt das Privatmuseum den Eindruck, in ständiger Bewegung zu sein. Das Sonnenlicht bricht sich an den zwölf riesigen, gewölbten Glassegeln, in denen sich Wald und Himmel widerspiegeln, und lässt die Konturen sanft verschwimmen. Wenn Sie vom Jardin d’Acclimatation aus auf das Louis-Vuitton-Museum Paris zugehen und unmittelbar vor dem Wasserbecken stehen bleiben, wirkt es für einen Moment, als würde die Glasarchitektur über dem Wasser schweben – oder als wäre das Schiff zum Ablegen bereit.
Gehrys Vision war es, einen Ort zu schaffen, der nicht nur Ausstellungsraum ist, sondern selbst zum Kunstwerk wird. Gelungen ist das dem Ausnahmetalent allemal. Der Stahl-Beton-Bau mit den Riesensegeln gilt als herausragendes Beispiel zeitgenössischer Museumsarchitektur und ist nicht nur für Kunst- und Architekturfans Anlass genug, sich auf den Weg in den Pariser Westen zu machen. Von den Terrassen und Balkonen, die den Innen- und Außenbereich gekonnt miteinander verbinden, genießen Sie obendrein einen spektakulären Panoramablick über den Park, die Hochhäuser von La Défense und den Eiffelturm.
Foto-Tipp: Wasser rauscht die breiten Stufen einer großen Treppe hinab, während Sie das Louis-Vuitton-Museum in Paris umrunden. Dabei entdecken Sie Stege und Plattformen direkt am Wasser. Von dort aus erhaschen Sie einen fantastischen Blick auf den scheinbar schwebenden Bau. Die schönste Aussicht auf das Museum haben Sie jedoch vom Jardin d’Acclimatation aus.
Im Inneren setzt sich der erste Eindruck fort: lichtdurchflutete, eindrucksvolle Säle, geschwungene Flure und immer wieder ungewöhnliche und überraschende Perspektiven, die schnell die Frage aufkommen lassen, wo die Grenze zwischen Kunst und Ausstellungsraum verläuft. In elf Galerien auf mehreren Ebenen zeigt die Fondation Louis Vuitton vornehmlich Meisterwerke der Kunst des 20. Jahrhunderts sowie zeitgenössische Arbeiten – und ergänzt damit das Programm bekannter Pariser Museen wie dem Louvre, dem Orsay und dem Centre Pompidou. Die Galerien sowie die Treppen und Aufgänge, die die verschiedenen Ebenen miteinander verbinden, sind leicht labyrinthisch angeordnet. Stellen Sie sich also darauf ein, dass es durchaus gewünscht ist, wenn Sie sich zwischendurch einmal verlaufen. So haben Sie die Gelegenheit, innezuhalten und sich auf das Unerwartete einzulassen.
Was hier ausgestellt wird, hat Namen und Rang. Oftmals bieten die Ausstellungen Ihnen auch die Möglichkeit, seltene oder bislang unveröffentlichte Gemälde, Skulpturen, Installationen, Video- und Fotokunst zu bewundern. In einer Sonderschau zeigte das Louis-Vuitton-Museum Paris in den Jahren 2021 und 2022 die Sammlung Morozov. Darin sind unter anderem Matisse, Picasso, Monet und Van Gogh vertreten, aber auch Arbeiten berühmter französischer und russischer Maler der Moderne, die erstmals außerhalb Russlands zu sehen waren. Da der Bauherr des Museums, Bertrand Arnault, selbst ein leidenschaftlicher Kunstsammler ist, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Sie bei einem Besuch des Louis-Vuitton-Museums in Paris auch Werke aus seiner Sammlung zu Gesicht bekommen.
Kunst im Untergeschoss: Dauerhaft im Museum zu sehen ist die Installation „Inside the horizon“ des dänisch-isländischen Künstlers Ólafur Elíasson, der bekannt für seine sensationellen Lichtinszenierungen ist. Rund um ein Wasserbecken sind teils gelb leuchtende Spiegelsäulen angebracht hat, die Besucher auf eine kaleidoskopartige Entdeckungsreise schicken.
Von April bis August 2026 halten die Ausstellungen Calder. Rêver en Equilibre über das Werk des US-amerikanischen Bildhauers Alexander Calder sowie die erste französische Soloausstellung der Künstlerin Armineh Negahdari im Museum Einzug. Im September 2025 eröffnete die bislang größte Retrospektive des international renommierten Künstlers Gerhard Richter, die bis März 2026 zu sehen war. Sie führte chronologisch durch sechs Jahrzehnte seines Schaffens, zeigte bedeutende Werke aus den frühen 1960er-Jahren bis hin zu seinen letzten Arbeiten. Eine ähnlich umfangreiche Schau gab es zuvor über den amerikanischen Künstler Mark Rothko, für die 115 Werke aus aller Welt zusammengetragen wurden, und über den britischen Maler David Hockney. Es lohnt sich also, gelegentlich einen Blick in das aktuelle Programm der Fondation zu werfen und Ihren nächsten Paris-Trip um einen Besuch dieses Museums herum zu planen.
Konzerttipp: Oft finden in Verbindung mit den Ausstellungen auch Konzerte im hauseigenen Auditorium im Untergeschoss des Louis-Vuitton-Museums Paris statt. Kraftwerk, Max Richter oder die Jazz-Legende Brad Mehldau waren hier schon zu Gast.
Jahr für Jahr lockt das Louis-Vuitton-Museum in Paris mehr als eine Million Menschen in den Bois de Boulogne. Wer hierher kommt, erlebt nicht nur außergewöhnliche Kunst und spektakuläre Architektur, sondern taucht auch in die einzigartige Atmosphäre des Pariser Parks ein. Ein weiteres Highlight direkt um die Ecke ist der Jardin d’Acclimatation. Wenn Sie also nach dem Museumsbesuch noch ein wenig Zeit haben, sollten Sie dort vorbeischauen. Der Eintritt in den traditionsreichen Vergnügungspark im Norden des Bois de Boulogne ist im Museumsticket inbegriffen, nur für die Fahrgeschäfte müssen Sie extra bezahlen. Im ältesten Freizeitpark von Paris erwarten Sie historische Karussells und moderne Fahrgeschäfte, die zwischen liebevoll angelegten Themengärten und seltenen Tieren sitzen. Vor allem wenn Sie mit Kindern unterwegs sind, finden Sie hier wohltuende Abwechslung nach dem Museumsbesuch.
Der umgebende Bois de Boulogne mit seinen Naturpfaden und Schleichwegen, außergewöhnlichen Gärten und idyllischen Seen lässt sich am schönsten bei einer Radtour erkunden. Glücklicherweise können Sie an mehreren Stellen im Park Fahrräder ausleihen. Im Park selbst verstecken sich weitere Pariser Sehenswürdigkeiten wie die historische Pferderennbahn von Auteuil oder der botanische Garten Jardin des Serres d'Auteuil.
Jardin d’Acclimatation: Bois de Boulogne, Rte de la Prte Dauphine à la Prte des Sablons; täglich geöffnet von 10:00–18:00 Uhr (am Wochenende bis 19:00 Uhr)
Adresse: 8, Avenue du Mahatma Gandhi, Bois de Boulogne, 75116 Paris
Öffnungszeiten: Mo, Mi–Do, Sa–So 10:00–20:00 Uhr, Fr 11:00–21:00 Uhr
Anfahrt: Mit der Metrolinie 1 fahren Sie bis Les Sablons und nehmen den Ausgang „Avenue Charles de Gaulle“. Von dort sind es circa zehn bis 15 Gehminuten durch Neuilly und den Jardin d’Acclimatation bis zum Museum. Alternativ verkehrt während der Öffnungszeiten vom Place Charles de Gaulle am Arc de Triomphe ein Bus etwa alle 20 Minuten zum Museum. Vom Mercure Paris Arc de Triomphe Wagram Hotel sind Sie nur einen Katzensprung von der Haltestelle entfernt.
Eintritt: Standardtickets kosten 18 Euro (bis 18 Jahre 5 Euro) und gewähren Ihnen Zutritt zu allen Ausstellungen sowie dem angrenzenden Jardin d’Acclimatation. Buchen Sie Ihr Ticket im Voraus online und halten Sie unbedingt die Einlasszeiten ein.
Französische Gourmetküche: In der Museumslobby empfängt Sie das kleine Restaurant Le Frank, das Sternekoch Jean-Louis Nomicos führt. Allerdings können Sie das Restaurant nur mit Museumsticket besuchen.
Das Louis-Vuitton-Museum Paris ist ein architektonisch beeindruckender und künstlerisch fesselnder Ort im Parc de Boulogne, der bei keinem Paris-Besuch fehlen sollte.