3 Februar 2026
5 Minuten
Bis heute zieht sich der Jugendstil wie ein roter Faden durch die Stadt. Unternehmen Sie mit uns eine Entdeckungstour zu den schönsten Jugendstil-Bauten in Riga.
3 Februar 2026
5 Minuten
Es heißt, Riga sei die „Perle des Jugendstils“. Wer einmal in der lettischen Hauptstadt war, weiß, dass man dem nichts entgegensetzen kann. Blumenmeere, Frauenkörper, Fratzen, Fabel- und Tierwesen schauen von den reich verzierten Fassaden hinab und erzählen Geschichten, die bei genauem Hinsehen immer wieder neue Überraschungen offenbaren. Nirgendwo sonst gibt es derart viele Jugendstil-Bauten auf so engem Raum wie in Riga. Nicht ohne Grund gehört die Innenstadt mit der hübsch restaurierten Altstadt Vecrīga und dem Klusais centrs seit 1997 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Begeben Sie sich auf die Spuren des Rigaer Jugendstils und besuchen Sie die schönsten Jugendstil-Straßen, machen Halt im Jugendstilzentrum Riga und entdecken einzigartige Jugendstil-Häuser mitten in der Altstadt.
Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts war Riga eine bedeutende Hansestadt mit einem für das russische Zarenreich strategisch wichtigen Hafen. Viele Menschen zog es damals in die Stadt nahe der Ostseeküste, die in der Folge immer weiter anwuchs. Fast zeitgleich ließ der Jugendstil in ganz Europa die Grenzen zwischen Kunst und Alltag verschwimmen. Man zelebrierte die künstlerische Ausdrucksfreiheit, die damals ihren Weg in die Architektur und das gesellschaftliche Leben fand. Nicht nur Gebäude, sondern ganze Wohnräume wurden im Sinne des neuen künstlerischen Ideals umgestaltet – auch in Riga, wo sich mitten im Bauboom der Jahrhundertwende ein ganz eigener, von Europa inspirierter Jugendstil herauskristallisierte.
Mehr als 800 Jugendstil-Gebäude aus der Zeit um 1900 prägen bis heute das Stadtbild. Einen großen Teil davon hat Riga den Architekten Mihails Eizenšteins (1867–1920), Vater des bekannten Filmregisseurs Sergej Eisenstein, und Konstantīns Pēkšēns (1859–1928) zu verdanken. Auf wenigen Straßenzügen begegnen Sie hier einer Dichte an Jugendstil, wie sie anderswo in Europa selten ist. Die lettische Hauptstadt steht Metropolen wie Paris, Wien, Prag oder Brüssel in nichts nach, die seit Langem für ihre Architektur berühmt sind. Ganz im Gegenteil.
In der Rigaer Neustadt zeigt sich der Jugendstil besonders geschlossen und facettenreich. Ganze Straßenzüge sind von ihm geprägt – mal streng gegliedert, mal reich verziert und dekorativ. Am eindrucksvollsten lässt sich diese Architektur bei einem Spaziergang durch das Klusais centrs, das sogenannte stille Zentrum, erleben, durch das sich drei der schönsten Jugendstil-Straßen Rigas schlängeln.
Die Alberta iela ist wohl die bekannteste Jugendstil-Straße Rigas. Auf nur 255 Metern reiht sich hier ein architektonisches Highlight an das nächste. Prunkvoll verzierte Fassaden mit Medusenköpfen, Fabelwesen, floralen Ornamenten und geschwungenen Balustraden ziehen den Blick unweigerlich nach oben. Viele der Gebäude entlang der Alberta iela stammen von Eizenšteins. Bei genauerem Hinsehen offenbart sich die feine handwerkliche Qualität, mit der selbst kleinste Details herausgearbeitet wurden. Und obwohl sie so kurz ist, lassen sich bei einem Streifzug durch die Alberta iela die drei Strömungen, die der Jugendstil um die Jahrhundertwende in Riga hervorbrachte, hervorragend erkennen. Drei Stopps, die sich lohnen:
Jugendstil mit nach Hause nehmen können Sie in einem kleinen, entzückenden Laden in der Hausnummer 9 der Strēlnieku iela, die sich vom Kronvalda-Park (Kronvalda parks) Richtung Nordosten durch die Neustadt zieht. Aber auch wenn Sie nicht auf der Suche nach originellen Mitbringseln und Fundstücken wie Schmuck, Tischdecken, Tassen oder Fliesen sind, lohnt es sich, im Jugendstil-Pavillon Art Nouveau Rīga (Jūgendstila paviljons) zumindest einmal vorbeizuschauen.
Strēlnieku iela 9; täglich geöffnet 11:00–18:00 Uhr
Unterwegs passieren Sie von der Altstadt kommend die Rigaer Wirtschaftsschule (Rīgas Ekonomikas augstskola), deren fein restaurierte Fassade ebenfalls ein herausragendes Beispiel für den Jugendstil in Riga ist. Entworfen wurde das Gebäude mit der Hausnummer 4a, wenig überraschend, von Eizenšteins. Dank seiner blau-weißen Fassade mit ihren eleganten Frauenkörpern und den üppig verzierten Fenstern, Simsen und Dachtürmchen sticht es sofort ins Auge. Direkt vor dem Gebäude begrüßt Sie die Büste von George Armitstead, der kurz nach der Jahrhundertwende, zur Blütezeit des Jugendstils, Rigaer Bürgermeister war und gerne für ein Erinnerungsfoto an Ihren Jugendstil-Rundgang durch Riga herhält.
Das Auge isst mit: Ein zauberhaftes Ambiente mit charmanten antiken Möbeln und niedlichem Porzellan erwartet Sie im Art Cafe Sienna im Herzen des Jugendstilviertels. Probieren Sie hier die fantastisch aussehenden und ebenso schmeckenden Torten, während Sie die Leute beobachten.
Strēlnieku iela 3; geöffnet Mo–Fr 8:30–17:00 Uhr, Sa 10:00–17:00 Uhr
In der Nähe des Kronvalda-Parks erstreckt sich eine weitere Straße, die von Jugendstilfans während ihres Städtetrips in Riga gern angesteuert wird. Immer wieder bleiben sie stehen, um die verschwenderisch dekorierten Häuserfassaden und Dächer mit Dämonen, Fabelwesen und barbusigen Frauen in aller Ruhe zu bewundern und ja kein Detail zu verpassen. Wenn Sie nicht genug vom Rigaer Jugendstil bekommen können, übernachten Sie doch im 4-Sterne-Hotel TRIBE Riga City Centre in einer Querstraße zur Elizabetes iela. Nicht verpassen sollten Sie in der Elizabetes das Gebäude mit der Hausnummer 10b, ein Meisterwerk des nordischen Jugendstils. Auch hier hatte Eizenšteins seine Finger im Spiel, was die leuchtend blaue Fassade mit ihren weißen Stuckverzierungen, Masken, Pfauen und dem prächtigen, geometrischen Fassadendach schnell erahnen lässt. In der Hausnummer 33 können Sie übrigens einem der ersten Versuche Eizenšteins‘ folgen, sich mit floralen Elementen und unbekleideten Körpern dem Jugendstil in Riga zu nähern.
Kehren wir noch einmal zurück in die Alberta iela. Hinter der zartbeigen Fassade der Hausnummer 12 mit ihren floralen Verzierungen, kleinen Türmchen und hübschen Erkern verbirgt sich ein Gesamtkunstwerk des Rigaer Jugendstils. Hier, in dem Eckhaus aus dem Jahr 1903, wohnte einige Zeit der Architekt Konstantīns Pēkšēns. Er entwarf das Gebäude gemeinsam mit seinem lettischen Kollegen Eiženu Laubi. Pēkšēns ehemalige Wohnung, die Sie über ein pompöses Treppenhaus erreichen, ist heute ein Museum, das sich dem kulturellen und historischen Erbe des Jugendstils in Riga verschrieben hat. Im Rigaer Jugendstilzentrum (Rīgas Jūgendstila centrs) sehen Sie teils originalgetreu erhaltene bzw. restaurierte Wohnräume, die viel über die Designwünsche zu Beginn des 20. Jahrhunderts preisgeben und darüber hinaus erzählen, wie der Jugendstil seinen Weg in den Alltag der Rigaer fand.
Bei einem Rundgang sehen Sie das stilvolle Wohnzimmer, dessen Wände ihre ursprüngliche blaue Farbe wieder tragen und mit Margeritenblüten geschmückt sind. Im Kaminzimmer ranken Pflanzenmotive an den Wänden, während sich im Esszimmer die dekorativen Verzierungen von den originalen Buntglasfenstern über den Spiegel bis hin zu den Schranktüren ziehen. Doch auch die restlichen Zimmer wie Küche, Bad oder Magdzimmer versetzen Sie zurück in jene Zeit. Von der Raumaufteilung über die originellen Wandfarben und Deckenmalereien bis hin zu der Tischdekoration und den geschwungenen Holztäfelungen schreit hier alles nach Jugendstil.
Für viele ist der eigentliche Star des Hauses aber das prunkvolle Treppenhaus mit seiner scheinbar nicht enden wollenden Wendeltreppe. Hier könnte man ewig verweilen und sich dennoch nicht sattsehen. Doch bevor Sie wieder ins Treppenhaus zurückkehren, schießen Sie noch ein ganz besonderes Erinnerungsfoto. Am Ende des Rundgangs dürfen Sie die hübschen Kleider und Möbelstücke nämlich nicht nur angucken, sondern mit Damenhut und Melone auch für ein ungewöhnliches Foto Platz nehmen.
Wissenswert:
In der Mansarde des berühmten Eckhauses liegt das ehemalige Atelier des Malers Janis Rozentāls, dessen sagenhafte Gestalten beispielsweise die Fassade des Jugendstilbaus der Rigaer Lettischen Gesellschaft in der Merķeļa iela 13 schmücken. Pēkšēns soll das Atelier nach den Wünschen des Malers errichtet haben, der von 1904 bis 1915 hier lebte. Zwischendurch wohnte auch der bekannte lettische Schriftsteller Rūdolfs Blaumanis als Untermieter unterm Dach. In Erinnerung an jene Zeit lässt Sie das Rozentāls-Blaumanis-Museum (Jaņa Rozentāla un Rūdolfa Blaumaņa muzejs) das Jugendstilinterieur bewundern und in das Schaffen beider Künstler eintauchen.
Wissenswert:
Öffnungszeiten: Mi–So 11:00–18:00 Uhr
Museumseintritt: 5 Euro (ermäßigt 2 Euro), Audioguide 3 Euro
Kostenlos: 2. Januar (Blaumanis‘ Geburtstag), 18. März (Rozentāls‘ Geburtstag), jeden letzten Samstag im Monat
Der Jugendstil hat auch an vielen anderen Ecken der Stadt seine Spuren hinterlassen. Wer mit aufmerksamen Augen durch die eindrucksvoll restaurierte Rigaer Altstadt streift und dabei den Blick immer wieder nach oben richtet, wird in den mittelalterlichen Gassen zwischen Giebel- und Kaufmannshäusern, roten Backsteinkirchen und dem gotischen Dom auch immer wieder aufwendig dekorierte Jugendstilfassaden entdecken. In der Smilšu iela 2 stützen ein Mann und eine Frau mit entblößtem Oberkörper den Erker im zweiten Stock. Sie wurde einst in einem Rigaer Wettbewerb zur schönsten Frau aus Stein gekürt. Obendrüber an der rot-gelb-beigen Fassade des Baus aus dem Jahr 1902 blicken ein Pfau, ein Eichhörnchen und eine Eule hinab auf die Flanierenden – alles Gestalten, die Ihnen während einer Jugendstil-Tour durch Riga immer wieder begegnen.
Nur 600 Meter weiter südöstlich, wenn Sie einmal quer durch die Altstadt spazieren, stehen Sie vor einem der ersten Jugendstil-Gebäude Rigas. Im Jahr 1899 erbaut wirkt das schick restaurierte Haus in der Audēju iela 7 fast ein wenig zurückhaltend, so dezent erscheinen die geometrischen Formen, hübschen Blumenmuster und der akkurate Apfelbaum im Vergleich zu den überbordenden Verzierungen in der Neustadt.
Aber auch jenseits ihrer Jugendstilarchitektur hält die lettische Hauptstadt zahlreiche einzigartige Sehenswürdigkeiten bereit. Lust auf einen Besuch?
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